Mit dem Inkrafttreten der ESPR – Ecodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte ist auch die Chemieindustrie aufgerufen, den Digitalen Produktpass (DPP) in ihre Prozesse zu integrieren. Das Ziel ist klar: mehr Transparenz schaffen, die Rückverfolgbarkeit verbessern und die gesamte Lieferkette nachhaltiger gestalten.
Der Chemiesektor ist eine der Säulen der europäischen Wirtschaft und liefert Rohstoffe und wesentliche Produkte, die täglich in zahlreichen Industrie- und Zivilbereichen eingesetzt werden. Gerade wegen seiner Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen unterliegt er seit langem strengen Vorschriften wie der REACH-Verordnung und der Pflicht zur Erstellung und Aktualisierung von Sicherheitsdatenblättern.
Mit der nun geltenden ESPR wird der Rechtsrahmen vervollständigt: Der Digitale Produktpass wird zu einem zentralen Instrument auch für Produktgruppen wie Reinigungsmittel, Lacke, Schmierstoffe und Grundchemikalien.
Der Digitale Produktpass in der Chemiebranche: Was die ESPR heute vorsieht
Im aktuellen Kontext ist der digitale Pass keine Zukunftshypothese mehr, sondern eine konkrete Anforderung. Jedes chemische Produkt – sei es ein Farbeimer, ein Reinigungsmittel oder ein Fass Industrielösemittel – muss mit einem digitalen Dossier verknüpft sein, das alle relevanten Informationen über Zusammensetzung, Verwendung und Umweltauswirkungen enthält.
Der DPP sammelt unter anderem:
Die Liste der enthaltenen chemischen Substanzen, mit Angabe potenziell gefährlicher Komponenten;
Die technischen Eigenschaften des Produkts;
Daten zum ökologischen Fußabdruck, wie die bei der Produktion erzeugten CO₂-Emissionen;
Anweisungen zur korrekten Verwendung und sicheren Entsorgung.
Diese Informationen sind über einen digitalen Identifier zugänglich, zum Beispiel einen QR-Code auf der Verpackung. Der digitale Pass ergänzt und integriert traditionelle Etiketten und technische Datenblätter und bietet allen Akteuren der Lieferkette ein höheres Maß an Detailtiefe, Aktualität und Benutzerfreundlichkeit.
Immer verfügbare Informationen für Akteure und Anwender
Nehmen wir den Fall eines Farbeimers mit digitalem Produktpass: Der Maler kann durch Scannen des QR-Codes sofort auf das aktuelle Sicherheitsdatenblatt zugreifen, die Anwesenheit von VOC (flüchtige organische Verbindungen) und die entsprechenden Mengen überprüfen, die Vorsichtsmaßnahmen während der Anwendung erfahren und klare Anweisungen zur korrekten und nachhaltigen Entsorgung von Resten und Verpackungen erhalten.
Der gleiche Ansatz gilt für ein Industrieschmiermittel. Der digitale Pass kann den Prozentsatz des verwendeten regenerierten Öls, die erhaltenen Qualitätszertifizierungen und die Anweisungen zur Regenerierung oder Entsorgung des Altöls angeben. Dies ermöglicht eine bewusstere Produktnutzung und ein effizienteres Management chemischer Abfälle, mit konkreten Vorteilen für die Umwelt und die Sicherheit der Arbeiter.
Schnellere und digitalisierte Normkontrollen
Mit der in Kraft getretenen ESPR erleichtert die Digitalisierung von Informationen auch die Kontroll- und Überwachungsaktivitäten. Die im digitalen Pass enthaltenen Daten sind von den zuständigen Behörden jederzeit einsehbar.
Zum Beispiel können die Zollbehörden beim Import automatisch die Existenz und Authentizität des digitalen Produkpasses eines chemischen Produkts überprüfen. Dies vereinfacht die Identifizierung nicht konformer Waren oder Produkte, die verbotene Substanzen enthalten, und trägt zu einem sichereren, transparenteren und den Vorschriften entsprechenden europäischen Markt bei.
Betriebliche Anpassung für Chemieunternehmen
Für Unternehmen der Chemiebranche bedeutet die Anpassung an die ESPR die Notwendigkeit, große Mengen technischer Informationen für jedes Produkt zu verwalten und diese ständig aktuell zu halten.
Viele Unternehmen verfügen bereits über Systeme zur Formulierungsverwaltung und strukturierte Verfahren zur Aktualisierung von Sicherheitsdatenblättern. Der digitale Pass erfordert jedoch einen weiteren Schritt: diese Daten sofort online verfügbar zu machen, einen Teil davon in einem Standardformat zu teilen und sicherzustellen, dass jede Aktualisierung – wie eine neue Gefahrenklassifizierung oder eine Umweltzertifizierung – konsistent auf alle bereits auf dem Markt befindlichen Produkteinheiten übertragen wird.
Certiblok® als Unterstützung für den Digitalen Produktpass
In diesem bereits geltenden Rechtsrahmen stellen Lösungen wie Certiblok® eine konkrete Unterstützung für Chemieunternehmen dar. Die Plattform ermöglicht es, alle relevanten Produktdokumente – Formulierungen, Analysezertifikate, Sicherheitsdatenblätter – in einem dezentralen und geschützten Cloud-Archiv hochzuladen.
Jedem Produkt wird ein öffentlicher QR-Code zugeordnet, der auf dem Etikett oder Behälter angebracht werden kann. Das Scannen des Codes ermöglicht den Zugriff auf den immer aktuellen digitalen Pass. Im Falle einer Formulierungsänderung oder der Veröffentlichung einer neuen Version des Sicherheitsdatenblattes aktualisiert das Unternehmen das Dokument nur einmal auf Certiblok®, wodurch die neueste Version sofort allen Benutzern zur Verfügung steht. Die Plattform kann auch automatische Benachrichtigungen an Kunden senden und so eine proaktive und normgerechte Kommunikation gewährleisten.
Datensicherheit und Informationskontinuität
Dank der Blockchain-Technologie sind die gespeicherten Informationen unveränderlich und bleiben über die Zeit verfügbar, auch bei Änderungen in den Unternehmenssystemen. Dies reduziert drastisch die Notwendigkeit, Etiketten neu zu drucken oder manuelle Mitteilungen zu versenden: Der QR-Code wird zum einzigen und zuverlässigen Zugangspunkt zu Produktinformationen während des gesamten chemischen Lebenszyklus, in voller Übereinstimmung mit dem von der ESPR vorgesehenen Digitalen Produktpass.
Eine transparentere, digitale und nachhaltigere Chemie
Mit der bereits angewendeten ESPR führt die Chemie 4.0 zu besser zugänglichen Daten und besser kontrollierten Prozessen. Der Digitale Produktpass verwandelt jede Flasche, jeden Kanister oder jeden Sack mit Substanz in ein „sprechendes“ Objekt, das alle notwendigen Informationen für eine korrekte Verwendung und Entsorgung bereitstellt.
Für Unternehmen, die Tools wie Certiblok® einsetzen, wird die regulatorische Verpflichtung zu einer konkreten Chance: weniger Papierdokumentation, größeres Kundenvertrauen und eine strukturelle Ausrichtung an den europäischen Vorschriften, zur Unterstützung einer immer nachhaltigeren, rückverfolgbareren und verantwortungsvolleren Chemieindustrie.







